Ich weiß schon gar nicht mehr wie ich auf diesen Blogeintrag, in dem ein Photograph sich darüber beschwert, daß seine Bilder über die Flickr-API erreichbar sind, gestoßen bin und eigentlich klicke ich solche Sachen auch meistens weg, aber diesmal hat es mich doch gejuckt.
Denn zum einen geht mir das endlose Genöle auf den Sack. Das gab es hier schon einmal und das ist letztendlich genau das gleiche Gejammer wie in jeder Industrie, deren Waren digitalisierbar sind. Digitale “Güter” sind beliebig reproduzierbar. Beim Aufruf einer Webseite wird der gesamte Inhalt auf den Rechner des Besuchers kopiert. Oh noez! Piraterie! Flickr-Bilder sind in dem Moment bei mir auf dem Rechner, in dem ich die Webseite aufrufe und es ist kein Hexenwerk, sie dann anderweitig zu speichern.
Und letzendlich wird jede Industrie mit digitalen Gütern damit zurechtkommen müssen, daß der Teil ihres Geschäfts, der digitalisierbar ist, einen rein monetären Wert von Null anstrebt. Zum einen, weil der “Klau” der Daten so einfach ist und bereits inhärent in der Technik so vorgesehen ist, zum anderen weil es tausende und abertausende von Amateuren gibt, die etwas ähnliches gleich gut oder gut genug produzieren, einfach so aus Spaß, und das dann kostenlos verschenken.
Natürlich sind professionelle Landschaftsaufnahmen oftmals absolut erstaunlich und umwerfend – wenn ich aber den gleichen oder einen ähnlichen Ort bei Flickr in die Suche eingebe, werde ich mindestens ein gut genuges Bild mit dem gleichen Motiv finden – mit etwas Glück sogar unter CC-Lizenz.
Und weil das jetzt gar nichts mit der Flickr-API, aber viel mit der Tatsache zu tun hat, daß diejenigen, die sich am lautesten aufregen, oftmals Profifotographen sind, lasse ich das so stehen und leite unglaublich holprig zum nächsten Punkt über.
Ja, die API muss sein. Mark Zanzig, der in der Diskussion zu dem Blogpost sehr aktiv ist, fragt sich in einem weiterführenden Blogpost, ob Flickr wirklich die API anbieten müsse, warum der API-Zugriff automatisch angeschaltet ist und wieso bei Flickr eigentlich Bilder erstmal für alle, auch für Nicht-Mitglieder sichtbar sind.
Flickr hat ja deswegen einen solchen Erfolg, gerade weil es den beaten path der auch zu diesem Zeitpunkt schon unübersichtlichen Anzahl an Photo-Galerien bzw. Photo-Speicherseiten komplett umgangen hat und die Wurzeln eher in der Welt der Weblogs zu finden sind. Das ist allein schon daran zu sehen, daß es zu jedem Stream (mindestens) einen Feed gibt, überhaupt die Anordnung der Bilder in Stream-Form nach Datum geordnet entspricht mehr einem Weblog als einer klassischen Album-Seite. Und der Geist der Weblogs (damals™ als noch alles besser war) vom Teilen und Mitteilen, Remixen und Syndizieren hat Flickr sehr geprägt und hat sicher auch dazu geführt, daß eine offene Programmierschnittstelle angeboten wurde. Tatsächlich lehne ich mich mal so weit aus dem Fenster und behaupte, daß die offene API von Flickr große Teile des Erfolgs von Flickr und vor allem die Verbreitung offener APIs bei anderen Anbietern ausgemacht hat und immer noch ausmacht.
Ohne API wäre die Ursuppe der early adopter nie und nimmer so begeistert gewesen und vermutlich wäre Flickr inzwischen pleite oder den Weg von Game Neverending gegangen und zu einem Iterationschritt zu einem noch einmal komplett anderen Produkt geworden.
Und ohne das offene Sharing und den einfachen Zugriff wäre Flickr einfach ein weiterer Dienst gewesen, bei dem man seine Bilder speichern und drei oder vier Verwandten und Bekannten zeigen kann – ähnlich wie Yahoo! Photo davor war.