LostFocus

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March 3, 2008

Eigentlich können wir ja ganz ehrlich sein: Das Internet ist schon fast zu voll mit irgendwelchem Gedönscontent. Long Tail galore.
Und um noch ein zweites Mal ehrlich zu sein: Die meisten von uns können nichts. Oder zumindest nicht genug, um für irgendwen etwas wirklich neues zu liefern. Klar, wir können unsere Meinung zu allem und jeden geben, haben vielleicht die eine oder andere Idee oder machen vielleicht mal ein interessantes Video, Photo oder spielen ein nettes Musikstück ein. Aber im Großen und Ganzen – eher nicht. Oder selten. Es ist kein Wunder, daß es in fast allen Bereichen so viele One-Hit-Wonder oder – ein Begriff, der mir persönlich besser gefällt – One-Trick-Ponies gibt. Das hat auch ganz selten etwas mit Talent und/oder Begeisterung zu tun. Vielleicht mit Glück, wenn man daran glaubt. Seltener wohl mit Kismet. Ganz selten mit Karma. Die meisten Leute erreichen vielleicht ein- oder zweimal im Leben einen Punkt, an dem sie etwas wirklich grandioses leisten. Etwas, das es wert ist, in die Welt hinausgetragen zu werden. Irgendeinen großen Wurf, das Lied oder den Film.

Interludium: Artur Rubinstein spielt eine Sonate von Beethoven

Zurück zum Artikel: Klinge ich jetzt wie ein Elitist? Ich hoffe nicht. Ich behaupte nur: Viele Menschen produzieren viel Schrott. ((Beispiel: Dieser Artikel)) Nur Gedöns. Unnötigen Plunder, häßliches, langweiliges, unspannendes, zum Gähnen führendes komplettes Meh. Ist das jetzt schlecht? Nein. Im Gegenteil, das ist super. Ich finde es grandios, daß es so viel Schrott gibt. So viel unnötiges. Denn in meiner Überlegung – und ich behaupte nicht, daß sie für jeden so stimmen kann – ist zwar die Prozentzahl guter Dinge umgekehrt Proportional zur Gesamtzahl aller Dinge, die absolute Anzahl steigt aber und das ist wertvoll und in meinen Augen das grandioseste, was passieren kann. Und, um die Sache noch viel besser zu machen und um Trendforscher komplett in den Wahnsinn zu treiben, ist das ganze auch noch komplett subjektiv. Wo der eine ein AK-47 im Hello Kitty-Design für totalen Schrott hält, freuen sich andere wie kleine Kinder darüber. Long tail. Filter, etc.

Und weil nicht jeder sich berufen fühlt, originären und tollen Content zu erstellen und damit oftmals Recht hat, weil er es nicht kann oder will oder darf, haben sich in letzter Zeit Werkzeuge etabliert, mit denen man ein kleiner Ein-Mann-Aggregator sein kann. Die Shared Pages vom Google Reader. Tumblr. Soup.
Fan-tas-tisch. Ich bin begeistert, was so manch einer im Google Reader als “Shared” markiert. Ich finde die Soup von Johl obwohl oder gerade weil dort nichts Eigenes zu finden ist, sondern die skurrile Welt des Internets durch einen menschlichen Filter gegangen ist, der Dinge findet und zusammenpackt, die für meine Interessen relevant sind. Durch genau diesen Mechanismus funktioniert ja auch der Schockwellenreiter. Oder Waxy.org: Links. Und jedes andere mit Liebe gemachte Linkblog. Kaum bis gar kein eigener Content, den Fremdcontent aber durch eine persönliche Note ausgewählt und gefiltert – das kann schon sehr viel wert sein. Und das kann man auch nicht technisch umsetzen, egal wie gut Tools wie Rivva oder Techmeme jemals werden.

Und das, meine lieben Leser, kommt dabei heraus, wenn ich eigentlich nur kurz etwas über die “Repost”-Funktion von Tumblr und Soup schreiben wollte, während ich auf Wendy warte.